Oft wurde sie ausgezeichnet: eine Sporthalle, eine Statue, ein Stadion, ein Sportpark und selbst ein Bahnhof tragen ihren Namen. Sie bekam sogar ein Angebot für eine Filmrolle in Hollywood. Und auch am 75. Geburtstag noch zur Sportsfrau des Jahres benannt zu werden erscheint zwar unwahrscheinlich, aber genau das geschah Fanny Blankers-Koen im Jahre 1994. Während der Ausstrahlung des Fernsehprogramms `In de hoofdrol` (In der Hauptrolle) wurde sie vom damaligen Vorsitzenden des IOC (Internationaal Olympisch Comité), Juan Antonio Samaranch, zur „Ehren-Sportsfrau“ des Jahres ausgezeichnet. Bei dieser Gelegenheit betitelte Samaranch sie zur „Queen of the Athletes“ und „Queen of the Olympic Games“. Dies zeigt, wie viel Eindruck die Leistung von Fanny Blankers-Koen, während den Olympischen Spielen von 1948 in London, nicht nur in den Niederlanden, sondern in der ganzen Welt, gemacht hat. Ihr absoluter Karrierehöhepunkt war am 21. November 1999, als sie in Monaco als Athletin des 20. Jahrhundert geehrt wurde und die Auszeichnung aus den Händen von Prinz Albert von Monaco erhielt.
Fanny hatte diese Würdigung nicht erwartet. Sie ahnte erst, dass sie den Preis bekommen sollte, als sie während des Galadiners kurz vor der offiziellen Preisübergabe neben den neuen IAAF-Vorsitzenden Lamine Diack platziert wurde. Neben dem Vorsitzenden saß außerdem noch Carl Lewis, der zum Athlet des Jahrhunderts gewählt wurde. Fanny schaffte es durch ihre Leistung notorische Widersacher von Frauen im Topsport, wie zum Beispiel den ehemaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage, zu überzeugen. Sie wurde dadurch zum Vorbild für die ganze Sportwelt. Als ihr Mediziner und andere Fachleute damals sagten, dass Mutter sein und Spitzensport nicht zu kombinieren seien, bewies Fanny das Gegenteil. Den Olympischen Höhepunkt ihrer Karriere erlebte sie, nachdem sie ihre zwei Kinder zur Welt gebracht hatte. Reich wurde sie durch den Sport übrigens nie. Das kostbarste, das Fanny je gewonnen hat, war das inzwischen legendäre Fahrrad, das sie nach den Spielen 1948 in Amsterdam überreicht bekam!
Angesichts der Tatsache, dass Hengelo und die FBK-Games unlösbar miteinander verbunden sind und obwohl wahrscheinlich schon beinah alles über sie geschrieben und gesagt wurde, möchten wir uns doch noch mit ihrer besonderen Beziehung zu unserem Wettkampf, den Fanny Blankers-Koen Games, beschäftigen.
Schon von der ersten Veranstaltung an bis hin zum immer weiter wachsenden größten Athletik-Event in den Niederlanden ist Fanny Blankers-Koen einbezogen worden. 1981 wurde das Veldwijk Stadion renoviert, am 2. Mai durch Fanny Blankers-Koen wieder eröffnet und in „FBK-Stadion“ umbenannt. Am 6. Juli 1981 fanden die ersten FBK-Games statt. 1987 wurde allerdings beschlossen die FBK-Games als Hommage an den ehemaligen IAAF-Vorsitzenden Ad Paulen in Adriaan Paulen Memorial umzubenennen.
1998 wurde Fanny Blankers-Koen während des Adriaan Paulen Memorial für alles, was sie in der Athletikwelt geleistet hat, umfangreich geehrt. Bereits zu diesem Zeitpunkt reifte der Gedanke, dass es eigentlich nur eine Weise gab, ihr die verdiente Ehre zu erweisen. Als die IAAF sie 1999 dann folgerichtig zur “Besten Athletin des 20. Jahrhundert” kürte, waren die letzten Zweifel verflogen. 2001 bekam der internationale Leichtathletikwettbewerb in Hengelo wieder seinen ursprünglichen Namen: die Fanny Blankers-Koen Games.
Fanny Blankers-Koen erhält die Stadtmünze der Gemeinde Hengelo.
Nach den FBK-Games 2002 wurde eine positiv überraschte Fanny Blankers-Koen nochmals ausführlich gewürdigt. “Heute wählen wir keinen Athleten oder Athletin des Tages. Nein, heute ehren wir eine ehemalige Athletin mit einer außergewöhnlichen Karriere. Sie ist die größte Athletin aller Zeiten. Sie bekommt neben der bereits verliehenen Ehrenbürgerschaft, die Stadtmünze der Gemeinde Hengelo. Nennen Sie es eine Auszeichnung für das Gesamtwerk. Wir, als Gemeinde, sind besonders erfreut, dass die Wettbewerbe seit einigen Jahren wieder ihren Namen tragen dürfen“ stellte Herr Frank Kerckhaert, Bürgermeister von Hengelo, kurz nach den FBK-Games 2002 fest. Fanny war von dieser besonderen Auszeichnung sehr gerührt. Es stellte sich heraus, dass es ihr letzter Besuch bei unserem Event sein sollte. Sie erkrankte schwer und ihre geistigen Fähigkeiten ließen stark nach. Fanny verstarb am Sonntag, den 25. Januar 2004. Sie ist nicht mehr bei uns, aber sie wird in unseren Erinnerungen immer weiterleben und als das Mädchen aus Hoofddorf bzw. als „the flying mother“ ewigen Ruhm behalten.
Fanny Blankers-Koen und ihre Verbundenheit mit Hengelo
Am 9. Januar 1981 richtete sich der damalige Vorstandsvorsitzende von “Dienst Lichamelijke Opvoeding en Sport“ (Amt für Erziehungswesen und Sport) in einem Brief an seine Kollegen. Er schlug vor Fanny Blankers-Koen um ihre Zustimmung zu bitten, dem Athletikstadion im Sportpark Veldwijk in Hengelo ihren Namen zu geben. Herr Kerkhoven erklärte, dass um das Stadion, als wichtigste Leichtathletikanlage in den Niederlanden, betreiben zu können, die Namensgebung von größter Bedeutung sei. Außerdem müsse man die spezifische Funktion der Athletik zum Ausdruck bringen und deswegen würde er dem Stadion den Namen der wichtigsten Athletin aller Zeiten geben: Fanny Blankers-Koen.
In der Versammlung vom 20. Januar 1981 stimmten die Kollegen dem Vorschlag zu und der Brief konnte an Frau Blankers-Koen verschickt werden. Es kam eine für sie kennzeichnende enthusiastische Reaktion zurück. Sie schrieb, dass sie den Brief mit großer Freude gelesen habe und es großartig fände, wenn das neue Leichtathletikstadion in Hengelo ihren Namen tragen würde. Das Datum für die Eröffnung des Stadions, zu der sie natürlich als Ehrengast eingeladen war, hätte sie sich bereits in ihrem Kalender eingetragen.
Am 2. Mai 1981 war es soweit. Bert van der Vegt, seinerzeit Beigeordneter im Bereich Sport, sowie Staatssekretär Wallis de Vries, der die Eröffnung leiten sollte, begegneten ihr zuerst. Herr van der Vegt erinnert sich daran, dass sie eigentlich das „Pech an den Händen“ kleben hatten, weil es die ganze Zeit regnete. Aber Fanny sei die Sonne an diesem Tag gewesen. Sie redete enthusiastisch mit jedem und ließ sich ihren sonnigen Humor durch den Regen nicht berauben.
Die Beziehung zwischen Fanny Blankers-Koen und Hengelo hatte nun seinen Anfang genommen. In der Folge war sie regelmäßig beim jährlich größten internationalen Leichtathletikwettbewerb der Niederlanden anwesend. Mit großem Enthusiasmus verfolgte sie die Leistungen der Athleten. Sie hatte einen Platz in vielen Hengeloer Herzen. Ihre positive und besondere Ausstrahlung zum Sport und zu den Athleten sorgte dafür, dass Hengelo durch das Fanny Blankers-Koen Stadion und das nach ihr benannte Event seinen Bekanntheitsgrad erweitert hat.
Die Bindung, die zwischen Frau Blankers-Koen und der Gemeinde Hengelo immer weiter wuchs, setzte sich 1998 durch die von der Gemeindeverwaltung verliehene Ehrenbürgerschaft fort.